Bloggt, ihr Christen, bloggt! (Teil I) - blog.theoradar
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Bloggt, ihr Christen, bloggt! (Teil I)

Theoradar hat sich zum Ziel gesetzt, einen Einstiegspunkt in die christliche Blogosphäre anhand der Themen und/oder Beiträge zu bieten, die auf besonders viel Resonanz stoßen. Dahinter steht aber eine viel grundsätzlichere Frage: Warum sollte man als Christ überhaupt auf Blogs unterwegs sein – oder gar selbst bloggen?

Ehrlich gesagt: Ich halte nicht viel von dem Gedanken, über seinen Blog andere Menschen vom eigenen Glauben überzeugen zu wollen und „das Internet zu missionieren“, indem man mit Bibelversen um sich wirft. Das kann freilich eine Motivation sein, ich glaube jedoch, dass der Schuss in vielen Fällen eher nach hinten losgeht. (Zu dem Thema gibt es nächste Woche den zweiten Teil dieser Kurz-Serie). Warum also dann – wenn nicht mit missionarischem Ziel?

Bloggen heißt, seine Gedanken zu einem Thema niederzuschreiben, auch (oder gerade) in unvollendeter Form. Das heißt zunächst: Ich muss mir klar werden, was ich denke, glaube. Und warum ich denke und glaube. Es hilft, mich selbst zu hinterfragen. Zugleich heißt Bloggen aber auch, diese Gedanken durch den Prozess des Bloggens in ein (teil-)öffentliches Gespräch zu bringen: Sie anderen anzubieten, als Anstoß, aber auch mit der Gefahr, von diesen wiederum hinterfragt zu werden.

Bloggen heißt, sich selbst zu hinterfragen

Dabei sollten Blogs nicht den Anspruch haben – und dieser sollte auch nicht an sie gestellt werden-, komplett ausgearbeitete theologische Konzepte darzulegen. Ich merke selbst, wie mich mein der Respekt vor diesem Gedanken immer wieder davon abhält, zu einem Thema zu schreiben. Nein! Blogs sind per definitionem ein Raum, in dem auch unvollendet gedacht werden darf. Und damit ist es auch ein Platz, an dem auch vermeintlich querliegende Überlegungen stattfinden sollen. (Blog ist die Kurzform von Web-Log, log ist englisch für Protokoll. Und ein Protokoll ist etwas, das auch den Prozess eines Gedankens, samt Zwischenüberlegungen, festhält.)

Für den christlichen Glauben halte ich das für essenziell wichtig. Glaube ist nie statisch, ebensowenig Theologie. Glaube und Theologie sollten sich immer wieder neu hinterfragen lassen. Sie entfalten sich im Gespräch unter Christen, aber auch im Dialog mit Andersdenkenden. Und zwar nicht in einer Form, die vermittelt, wir Christen hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen. Dialog heißt immer auch, bereit für die Gedanken des anderen zu sein – und, ja, auch bereit dafür zu sein, sich überzeugen zu lassen. Das ist (und war immer schon) unbedingt nötig, um diskurs- und anschlussfähig zu bleiben.

Wer bloggt, macht sich angreifbar.
Wer bloggt, wird gezwungen, sich selbst zu hinterfragen.
Wer bloggt, muss seinen Glauben und seine Theologie stets neu begründen.
Wer bloggt, hat nichts zu verlieren – aber viel zu gewinnen.

6 Kommentare

  1. […] Quelle: Bloggt, ihr Christen, bloggt! (Teil I) – blog.theoradar […]

  2. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter. Mein Aufruf: Christen, geht auf die Foren!

    Ein Blog ist dabei eine gute Basis. In einem Blog kann man Themen ausarbeiten, gepflegt darstellen und der eigenen Kreativität freien Lauf lassen. Und man ist Herr im eigenen Haus!

    Internetforen sind dagegen die freie Wildbahn. Man hat es mit einem bunten Gemisch von Charaktären zu tun, mitunter mit recht schrillen Persönlichkeiten. Der Austausch ist schnell, man muss lernen, sich kurz und präzise auszudrücken. Foren haben einen flüchtigen Charakter, nur die gerade aktuellen Posts und Kommentare werden gelesen. Das macht es mühsam, besonders wenn sich Diskussionen wieder und wieder im Kreis drehen, wenn Argumente in einer Endlosschleife wiederholt werden.

    Trotzdem: Foren bilden häufig die Lebenswelt der Bevölkerung ab. Und die ist aus christlicher und seelsorglicher Hinsicht oft erschreckend. (Man gehe dazu mal auf das Frageforum http://www.gutefrage.de und schaue dort, was unter den Schlagworten Religion, Gott und Bibel an Fragen und Kommentaren zu finden ist.) Aber gerade dorthin sollten Christen gehen und nicht warten, dass das eigene Blog gefunden wird.
    https://glaubenstexturen.wordpress.com/2012/11/28/christen-geht-auf-die-foren/

    1. Danke für den Aufruf! Das schließt sich ja nicht aus ☺

  3. Danke für diesen Artikel!! Ich habe ihn gerade dann gelesen als ich zwar mit der Idee gespielt habe eine Blog zu beginnen, war aber noch unsicher ob das wirklich so eine gute Idee ist… Du hast mir mit diesem Blogpost Mut gemacht den Schritt zu wagen! Und nun bin ich fleissig am schreiben, denken, reflektieren, fragen usw. Ich bin gespannt wohin mich das führt.

    1. Wow, das freut mich sehr! Viel Spaß und Erfolg, ich werde seinen Blog gleich mal auf die Beobachtungsliste setzen.

  4. Danke, Fabian, für diesen Artikel. Du scheibst mir aus der Seele. Ich nutze ebenfalls meinen Blog, um meine Gedanken zu formulieren und zu inspirieren – aber nicht zu missionieren. Das ist ein großer Unterschied. Manchmal habe ich mich gefragt, ob ich mehr Bibelverse zitieren und missionarisch schreiben sollte. Dein Artikel hat mir noch mal Klarheit gegeben. Super. Danke.

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