Trump und die fehlenden Kreuze auf dem Tempelberg: Themen im November - blog.theoradar
Blogosphäre

Trump und die fehlenden Kreuze auf dem Tempelberg: Themen im November

Willkommen zurück! Das sage ich nicht nur euch Lesern, sondern auch uns selbst. Denn, wie wir tatsächlich einige Male zugetragen bekommen haben, der Monatsrückblick für den Oktober ist – leider kommentarlos – ausgefallen. Asche auf unser Haupt. Es gibt jedoch Gründe: Wir haben viel im Hintergrund an Theoradar gearbeitet, neue Skripte geschrieben, die Datenbankstruktur verändert/angepasst – vor allem mit Blick auf ein weiteres großes Projekt. Voraussichtlich wird es in den ersten Monaten des kommenden Jahres in dieser Hinsicht Neues zu verkünden geben. Ihr dürft also gespannt sein!

Genug geteasert: Blicken wir auf Ausschnitte dessen, was die christliche Blogosphäre im November besonders beschäftigt hat. (Die kompletten Monatscharts findet ihr wie gewohnt im Theoradar-Archiv).

Der Trump-Schock: Wahlen in den USA

Ein Rechtspopulist wird Präsident in den USA – natürlich hat das Thema die christliche Blogosphäre auch hierzulande beschäftigt (und ich bin in dieser Hinsicht froh, dass Theoradar sich auf den deutschsprachigen Bereich beschränkt).

Radio-Vatikan-Blog zieht vier Schlüsse aus der Trump-Wahl – und landet damit auf Platz 6 der Monatscharts. Das große Fazit des Beitrags: „Die Meinungseliten müssen neu lernen, zu kommunizieren. Und das muss mit Zuhören beginnen, nicht mit der Feststellung, dass die anderen Unrecht haben.“ Ebenfalls in den Top-10 landet Rolf Krüger mit seinem lesenswerten Beitrag „Die Angst hat gewonnen, lasst die Liebe siegen!“ (Platz 8). Er zieht den Bogen noch etwas weiter (Türkei, Erfolge der AfD) und konstatiert: „Hinter all dem steckt Angst.“ Jesus habe uns Christen vor dieser Angst gerettet, deshalb gelte für uns Christen ein dreimaliges „Lasst uns“:

Lasst uns der Angst begegnen, indem wir auf gefletschte Zähne nicht mit Knurren antworten.

Lasst uns der Angst begegnen, indem wir eine Kultur der Barmherzigkeit prägen, indem wir dem anderen zuhören und das Böse nicht nachtragen.

Lasst uns der Angst begegnen, indem wir lernen, einander zu vertrauen und nicht nur für uns selbst zu kämpfen.

(Rolf Krüger)

Tobias Faix macht sich in einem kurzen Beitrag Gedanken darüber (Platz 22), ob auch in Deutschland evangelikal geprägte Christen Trump wählen würden (in den USA haben sie maßgeblich zu seinem Erfolg beigetragen). Er hält fest: Den Wunsch nach einer „moralischen Wende“ gebe es auch bei konservativen Evangelikalen in Deutschland. „Das ist gefährlich und könnte zu einer ähnlichen Situation führen wie in den Vereinigten Staaten, gerade wenn es darum geht, welche Parteien die eigenen Werte und Themen vertreten.“ Theoleaks schlägt satirisch in dieselbe Kerbe (Platz 41) und zitiert empörte Gemeindevertreter: 19 Prozent der Evangelikalen Weißen haben Trump nicht gewählt – Sauerei! Denn: „Nach Lehrmeinung der CVAKRUBC kann es im Leben eines Christen nur einen Weg geben: den Rechten.“

Und noch viele weitere Beiträge sind zu dem Thema erschienen. Matthias Albrecht hebt auf „kreuz und queer“ die LGBTIQ-Perspektive hervor (Platz 47): „In der LGBTIQ-Bewegung löst die Wahl Donald Trumps pures Entsetzen aus.“ Christian Bauer sieht auf feinschwarz.net einen „Wind of Change“ am Werk (Platz 80) und verordnet eine Denkpause: „Es scheint sich etwas zu drehen in der Welt, scheinbar Undenkbares wie BREXIT und TRUMP wird möglich“. Michael Hölzl fragt auf demselben Blog nach der Meta-Ebene: Was ist eigentlich falsch am Populismus? (Platz 61, lesenswert, tl;dr: Er basiert auf Gerüchten). Und Peregrinatio analysiert (Platz 84): „Trump ist ein Symptom unserer Welt, wenn er sich aufbläst und seine Vorurteile schamlos herausposaunt und Diskrimierung wieder salonfähig macht, wenn er eine Mauer gegen die Angst und die Armut errichten will (endlich einmal etwas, das man sieht…).“

Der Kreuz-Schock: Bischöfe im Heiligen Land

In der christlichen Bloggerwelt erhitzte noch ein weiteres Thema die Gemüter: Der Besuch von Kardinal Reinhard Marx und dem EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strom auf dem Tempelberg in Jerusalem. Das Problem: Beim Besuch des Felsendoms und der Al-Aqsa-Moschee haben die beiden ihre Kreuze abgelegt. In die Kritik gerät auch ein Beitrag des Portals „katholisch.de“, der das Verhalten der Bischöfe gutheißt.

„The Cathwalk“ räumt zu diesem Thema in den Monatscharts ab: „Don Camillo würde sein Kreuz auf dem Tempelberg tragen“ (Platz 1) – natürlich darf es da an süffisanter Polemik gegen Protestanten nicht fehlen, weshalb sich der Autor allein auf das Verhalten seines Kardinals beschränkt. Was der andere Christ da tut, ist ihm herzlich egal – schließlich habe der sowieso keinen Respekt vor dem, was wichtig ist. Merkwürdig, dass den Autor dennoch ein einheitliches Auftreten beider Bischöfe im Fortgang zu interessieren scheint.

Nüchtern betrachtet das Radio-Vatikan-Blog die Vorkommnisse (Platz 5) und wirft vielen Kommentatoren vor, nicht anständig recherchiert zu haben. Am schlimmsten seien diejenigen, die „von hier aus“ Bekennermut verlangen. „Bei aller Wichtigkeit des christlichen Zeugnisses: Wer zahlt bitteschön dafür den Preis?“ Es gehe keinesfalls um eine Unterwerfung unter den Islam, sondern um das Vermeiden eines Konfliktes an einem Ort, an den normalerweise keine Christen kommen. Das deutliche Fazit:

Also bitte, wenn der Preis für gelungenen Dialog – wenn auch in kleinen Schritten – ein wenig Irritation zu Hause ist, dann soll das so sein. Mögen all die Kommentatoren und Blog-Schreiber doch bitte von ihren Richterstühlen herunter klettern.

Gemeint sind damit wohl auch solche Beiträge wie jener auf katholon.de (Manche Bilder sollte es nicht geben, Platz 37), der den beiden Bischöfen vorwirft: „Ein – man muß es einfach so deutlich sagen – feiges Einknicken vor einer unlauteren Forderung.“

theologiestudierende.de ordnet das Verhalten der Bischöfe in eine komplexe Situation eines sehr labilen Friedens ein – und schafft es mit dem sachlichen Beitrag „(K)ein Kreuz für den Frieden“ auf den 9. Platz der Monatscharts. Schön, denn damit zeigen zwei Beispiele aus den Top-10: Nicht nur Empörung punktet! Der Autor Lukas Hille deutet das Ablegen des Kreuzes als ein „Bekenntnis zum Friedefürsten“ – gerade durch das Ablegen des Kreuzes hätten die Bischöfe etwas genuin Christliches bekannt. Die Bischöfe hätten sich auf einer Gratwanderung zwischen zwei Perspektiven befunden – der der Macht und der eines respektvollen Umgangs, der ein Zeichen für den Frieden setze. „Sie haben sich für die zweite Variante entschieden.“

Und sonst so?

Abräumer des Monats: Das Blog „Huhn meets Ei“, das mit zwei Beiträgen in den Top-10 vertreten ist: „Nächstes Mal gehe ich lieber wieder zur Antifa“ (Platz 2) und „Zu meckern gibt es immer was“ (Platz 7). Auch sonst lief es für das Blog ganz gut – auf den Plätzen 16, 26, 51, 55, 62, 93, 97 landeten ebenfalls Beiträge des katholischen Bloggers aus Berlin.

Die Andacht des Monats: „Die Liste …“ von GekreuzSiegt (Platz 4) – eine Geschichte für’s Herz, die ganz offensichtlich bei vielen sehr gut ankam (aber sicher nicht jedermanns Sache ist). Und, für das Blog ganz ungewohnt: Ein Beitrag ganz ohne Jesus-Bezug :-).

Die Lese-Empfehlung des Monats: Till Magnus Steiner wirft auf „Dei Verbum“ einen genaueren Blick auf die Aktion der EKHN, die Bibel auf einem Bierdeckel zusammenzufassen („Selbstliebe als biblische Botschaft“, Platz 49). Hält das wirklich stand? (S)ein Fazit: „Umso genauer man hinsieht, umso komplizierter wird es. Diese Fragen passen nicht einfach auf einen Bierdeckel, doch ihre Sinndimensionen lassen sich gut bei einem Bier diskutieren.“

 

4 Kommentare

  1. –„The Cathwalk“ räumt zu diesem Thema in den Monatscharts ab: „Don Camillo würde sein Kreuz auf dem Tempelberg tragen“ (Platz 1) – natürlich darf es da an süffisanter Polemik gegen Protestanten nicht fehlen, weshalb sich der Autor allein auf das Verhalten seines Kardinals beschränkt. Was der andere Christ da tut, ist ihm herzlich egal – schließlich habe der sowieso keinen Respekt vor dem, was wichtig ist. Merkwürdig, dass den Autor dennoch ein einheitliches Auftreten beider Bischöfe im Fortgang zu interessieren scheint.–

    Wenn Sie den Artikel wirklich gelesen und verstanden hätten, so hat das wenig mit „Polemik“ zu tun, als dass sich Don Camillo aus theologischen Gründen – Wert des Kruzifixes – nicht so auf die Protestanten anwenden lässt. Ihre Insinuierung, dass ich unterstelle, man hätte keinen Respekt vor dem, was wichtig ist, dürfen Sie als Ihre ganz eigene Interpretation anführen. Ihr Kommentar beschränkt sich nur auf diesen einen Satz in meinem Text. Die Einseitigkeit der Darstellung betrifft wohl daher eher Ihren eigenen Kommentar als meinen Artikel.

    1. Ich führe alles als eigene Interpretation auf 🙂 Bleibt ja jedem unbenommen, das Original zu lesen, ist prominent verlinkt.

      1. Finden Sie es nicht etwas unredlich, insbesondere im Zusammenhang mit anderen Artikeln, meinen Beitrag auf eine Fußnote zu reduzieren und diese zur Quintessenz zu stilisieren – ohne wenigstens auf den Inhalt des Textes einzugehen? Läse ich das als „Unbenommener“ hätte ich den Eindruck, es ginge um eine Protestantenkritik, statt einer historisch-philosophisch-literarischen Diskussion um Guareschis Erbe in der heutigen Zeit. In dieser Hinsicht prägen Sie das Bewusstsein des „Unbenommenen“ nicht nur vor, Sie verfälschen es sogar. Aus welchen Gründen – bleibt mir im Übrigen schleierhaft.

        1. Eine solche Zusammenstellung ist notgedrungen subjektiv und von dem geprägt, was bestimmte Texte (in diesem Fall:) in mir auslösen. Mag sein, dass ich Ihre Äußerungen zu sehr im Kontext dessen gesehen habe, was „The Cathwalk“ sonst so raushaut – dennoch sparen Sie ja nicht an Seitenhieben in besagtem Absatz.

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